GM-Kolumne

Deutschland ist Europameister im Müll produzieren

Deutschland ist Europameister im Müll produzieren

Deutschland ist Europameister im Müll produzieren

Eine Kolumne von Sabine Hennek.
Ich war auf der Suche nach einem plastikfreien Wischmob für unsere Gewerbe-Stoppel-Fließen (ja, wir werden als Feinkostbetrieb wie ein Schlachtbetrieb eingestuft und mussten die höchsten Rutschklasse-Fließen legen) in der neuen Genießermanufactur-Küche. Gar nicht so einfach.
„Dr. G“ weiß schließlich alles und ich habe mich zu den einschlägigen Versendern aufgemacht.
Nein, ich habe beschlossen, bei 35° C Hitze nicht in die Stadt zu fahren um ein Einzelhandelsgeschäft vor Ort zu unterstützen – ich weiß, gaaaanz schlecht. Aber das ist mir einfach zu viel.
Außerdem fahren wir auch noch einen bösen Diesel; und die Luft in Würzburg ist eh schon mit die schlechteste.
Aber Moment mal, es gibt ja jetzt ein Luftverbesserungskonzept der Stadt Würzburg – wir merken nur nichts davon. Aber ich will nicht abschweifen…

Ich habe tatsächlich einen 100 % baumwollenen Wischmob entdeckt – in einem Warenhaus, in dem es noch die Guten Dinge gibt.
Freu, Freu! 2 Tage später halte ich ein Paket in nicht unbeträchtlicher Größe in der Hand und denke:
„Ach du liebe Zeit, ist das ein riesen Wischmob!“
Ich kam aus dem Staunen nicht heraus: Mit je einer Höhe und Breite von mehr als 20 cm, sowie einer Länge von 60 cm war das Paket komplett mit Papier gefüllt und – oben auf lag der Wischmob mit 40 x 15 cm und ca. 1 (!) cm hoch. Puhhh…

Nun wissen wir seit gestern, dass wir Deutschen, lt. Umweltbundesamt, Mülleuropameister sind. Fast täglich hört oder liest man in den Medien, wie wir Müll einsparen oder vermeiden könn(t)en.
Anscheinend kommt beim Verbraucher wenig bis gar nichts davon an.
Und die Industrie (die immer sagt: „Der Verbraucher will es ja so“) will ich hier gar nicht ausschließen.

Und mein Wischmob hätte mit Sicherheit effizienter gepackt werden können.
Oder ich hätte doch bei 35° C mit meinem 21 Jahre alten Stinkediesel in die Stadt fahren und ihn ohne Verpackung kaufen müssen?

Aber was tragen wir bei, so als familiäre Bio-Manufactur?

Nun, ich behaupte mal, schon einiges.
Schließlich sage ich immer, wir müssen im Kleinen anfangen um etwas zum großen Ganzen beizutragen – oder auch: Man kehre zuerst vor der eigenen Haustüre. Aber wer kann schon bewerten, ob das reicht?

Im privaten Haushalt ist ja mittlerweile schon viel möglich – es gibt inzwischen zig Web-Blogs die sich mit plastikfreien Haushalten auseinandersetzen. Es gibt viele gute Ansätze und Umsetzungsmöglichkeiten.

Aber im Gewerbe?
Bei uns fängt das schon damit an, dass Raps- und Sesamöl ausschließlich in Plastikkanistern angeliefert wird. Wir können leider nicht mehr mit der Emaille-Kanne zum Produzenten laufen und unser Öl hier frisch einfüllen lassen. Nur das Olivenöl wird in Blechkanistern angeliefert. Immerhin.

Wasch- und Reinigungsmittel kaufen wir direkt bei einem sehr konsequenten ökologischem Hersteller vom Bodensee, der wunderbare saubere Mittel herstellt. Aber alles in Plastik – wir kaufen zwar schon große Kanister, aber Plastik ist Plastik. Diese Kanister müssen auch gelagert werden und es ist eh schon eng genug bei uns.
Umverpackungen sind und bleiben ein Problem, nicht nur im Wasch- und Reinigungsmittelbereich. Wenn ich nur an die viele Folie bei der Glasanlieferung denke…

Unsere Gewürze werden alle in Papiertüten abgepackt; viele wertvolle Gewürze benötigen jedoch innen noch einmal eine Plastiktüte, damit die Aromen während des Transports nicht verschwinden. Aus diesem Grund ordern wir z.B. sehr viele Gewürze in ganzer Form, um sie dann frisch vor der Produktion in einer 100 Jahre alten Kaffeemühle zu vermahlen.

Sämtliche frische Rohstoffe, wie Zwiebeln, Knoblauch, Paprika, Obst, Nüsse werden in Mehrwegkisten angeliefert – will sagen, das was von ganz nah angeliefert wird, geht ohne Plastikverpackung.

Bei der Herstellung unserer Würzpasten-Konzentrate sorgen wir unter anderem dafür, daß unsere Kunden so wenig wie möglich Wasser kaufen, mehr Geschmack nach Hause tragen und Freude beim Kochen haben. Deshalb sind die Gläser auch nicht so groß und schwer.

Ja, und dass wir unsere Produkte in Glas abfüllen ist selbstredend. Glas ist ökologisch und ökonomisch immer noch der nachhaltigste Rohstoff, der sich gut recyceln oder wiederverwenden lässt.

So, und ich gehe jetzt in unsere Küche und putze den Gewerbeboden mit meinem neuen Wischmob.

Augenzwinkernde Grüße von

Sabine aus der Genießermanufactur.

 

Natürlich gibt es noch mehr interessante und unterhaltsame Beiträgeaus unserer GM-Kolumne.
Viel Spaß beim Schmöckern.

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